Verdammt noch mal - frag mich!

 

Seit gestern denke ich über Blogger, Rezensionen, Erfolg und Neid nach. Und über mich. Folgendes ist geschehen: Eine Bloggerin erhält eine vor Neid und Hass triefende Mail. Im ersten Moment bin ich entsetzt über die Tatsache an sich und über den Ton, in dem die Mail verfasst ist. Nach einiger Zeit denke ich, ja, neidisch war ich auch schon … und hier muss ich etwas ausholen …

 

Ich schreibe seit zwei Jahren und da ich eher Kurzgeschichten fabriziere als weltbewegende Romane, gibt es von mir bis jetzt kein Buch, über das jeder spricht und das bei jeder Frage nach Empfehlungen genannt wird. Jammern darf ich nicht, denn ich werde gelesen und in den Rankings meines Genres tauchen meine Bücher manchmal auf. Aber es tut natürlich weh, wenn ich entsprechende Threads lese und mal wieder vergeblich nach meinem Namen oder einem meiner Buchtitel suche. Frust und ein wenig Neid sind legitim und niemand sollte abstreiten, dass er hin und wieder Ähnliches fühlt. Es ist schlicht menschlich. Es darf jedoch niemals dazu führen, die Autoren dieser Bücher oder wie hier, die erfolgreiche Bloggerin mit Hass zu überschütten. Im Gegenteil, hier ist eher Respekt für die Leistung angebracht.

 

Neidisch bin ich, ja, aber nicht missgünstig. Das ist ein Unterschied. Ich gönne jedem den Erfolg und bei einigen Büchern sage ich: tolles Buch, klasse gemacht, ich liebe es. Das kann ich, nicht neidlos, aber voller tiefempfundener Anerkennung zugestehen. Daraus folgt, für Autoren ebenso wie für Blogger: Was muss ich tun, um genauso erfolgreich zu sein? Ein Buch zu schreiben, über das jeder spricht, einen Blog, auf dessen Beiträge sich jeder sofort stürzt?

Stil verbessern, interessante Themen finden, Werbung machen! Das kostet Zeit und Mühe, man muss den Hintern hochheben und die Augen offenhalten. Das führt mich zu dem Punkt, den einige KollegInnen bereits angesprochen haben. Denn manchmal habe ich den Eindruck, dass Erfolg gar nicht gewollt ist. Meine Erfahrungen mit Blogs:

 

Das sollte man vermeiden - Falsche Versprechungen: Bei zwei Verlosungen haben Blogger ein Buch von mir gewonnen, sich darüber gefreut und (von sich aus, ich habe nicht danach gefragt!) eine Rezension versprochen. Die eine erwartete, dass ich zuerst eine (von mir gewonnene) Hetero-Liebesgeschichte rezensiere (sorry, ich habe wenig Zeit und bin eher Autorin als Rezensentin). Von beiden Bloggern habe ich nie wieder etwas gehört. Ebenso habe ich mehrmals gelesen: Oh, klasse, was du schreibst, interessiert mich. Du hörst bald von mir … ähm, nein, leider nicht. Vielleicht sollte ich froh darüber sein, weil es andernfalls eine miese Rezi geworden wäre ;-))

 

Das wäre gut - Eigeninitiative: Wer mich kennt, weiß, dass ich mit meinen Ebooks großzügig bin. Ich verschenke sie gerne und oft, auch wenn ich weiß, dass keine Rezi folgt. Einfach, weil ich gerne eine Freude mache und mich selbst freue wie ein Schneekönig, wenn jemand was von mir lesen mag. Meine Bereitschaft, Rezi-Exemplare zu vergeben, habe ich in mehreren Gruppen kundgetan … bis jetzt hat niemand angefragt. Hm, entweder bin ich zu unbekannt, schreibe miserabel oder Blogger sehen nicht in solchen Listen nach, keine Ahnung … Soweit ich weiß, wurden meine Bücher oder eines davon auf vier Blogs besprochen, einmal eher negativ, mehrmals positiv. Das haben die Blogger von sich aus getan. Bis zur Veröffentlichung wusste ich nichts davon und in einem Fall habe ich es nur durch Zufall gesehen. Wenn ein/e Blogger/in eine Rezi schreibt und es mehr als drei Sterne sind ^^ dann werden die meisten Autoren diese Rezension sicher bekanntmachen und damit auch den Blog. Ich zumindest würde es tun.

 

Hier muss ich mich an die eigene Nase fassen, denn ich habe noch nie eines meiner Bücher direkt einem Blog angeboten. Zum einen fällt mir Eigenwerbung nicht leicht, zum anderen findet man auf den meisten Blogs jede Menge Fantasy, Krimis, Hetero-Love-Storys. Dort würde ich nie anfragen. Im Grunde traue ich mich nicht, weil ich denke, es hat etwas Verzweifeltes, Bettelndes, wenn ich mein Buch anbiete. Ich weiß, das ist Unsinn, andere Autoren und Verlage machen das ständig, aber ich kann halt nur schwer über meinen Schatten springen. Im Übrigen würden viele meiner KollegInnen, genau wie ich, sicher auch einem kleinen (noch) unbekannten Blog gerne ein Ebook überlassen. Man muss bloß mehr Mut haben als ich und danach fragen ;-)

 

Also, lange Rede, kurzer Sinn: bevor ein/e Blogger/in Gift und Galle spuckt und hässliche Worte über KollegInnen auskübelt, sollte der/diejenige positiv und aktiv an die Sache rangehen. So kann man seine Zeit und Energie viel sinnvoller investieren, es ist besser für den eigenen Ruf und man wird auch erfolgreich :) Und jetzt gehe ich weiter Sachen schreiben, über die kaum jemand spricht – noch nicht ;-)))

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Sandra Gernt (Samstag, 07 Februar 2015 20:48)

    Ich bin sicher, eine Menge Leute lesen und lieben deine Bücher, ohne laut darüber zu sprechen ... Ja, es wird wohl immer jemanden geben, der erfolgreicher ist als du und es ist wichtig, dass man Neid, Missgunst und Resignation nicht totschweigt. Mein Credo ist immer: Wenn ich nicht gut genug bin, muss ich eben besser werden! Etwas, wofür keine Kraft bleiben würde, wäre ich ausschließlich mit Neid auf erfolgreichere KollegInnen beschäftigt. Du machst das vollkommen richtig - und du schreibst bereits sehr schöne Bücher. :)

  • #2

    ulla (Samstag, 07 Februar 2015 22:59)

    Liebste Savannah!
    Ich weiß nicht über welche blogger du hier im Einzelnen redest, aber deine Idee die Sache "positiv" anzugehen, gefällt mir gut!
    Im übrigen (ich habe extra gerade nachgeschaut) gibt es bei mir sechs (!) Besprechungen mit dem Label "Savannah Lichtenwald". Jede einzelne davon kommt von Herzen, weil du wunderbare Geschichten erzählst, die im Herzen haften bleiben.
    Ich freue mich jetzt schon auf dein nächstes Buch. Nein. Ich warte voller Sehnsucht darauf. Und ich werde es ganz sicher wieder auf meinem blog besprechen.
    GLG ulla

  • #3

    Babsi Corsten (Sonntag, 08 Februar 2015 00:10)

    Liebe Savannah,
    ich habe leider keinen Blog , aber wenn ich einen hätte, wären deine Geschichten garantiert vertreten. Ich liebe deinen zu Herzen gehenden Schreibstil und du schreibst nie über 08/15 Charaktere, sondern immer über Menschen mit Ecken und Kanten und das macht sie so glaubwürdig.
    Ganz ehrlich? Ab und an ein bisschen eifersüchtig bin ich auch, aber das spornt mich immer eher an, an mir zu arbeiten. Ich kenne meine Schwächen (ich bin ab und an unglaublich schreibfaul und lasse mich von x-beliebigen Sachen ablenken, statt zu schreiben) und ich bin froh, dass ich scheinbar nicht die Einzige bin, die so empfindet. Deine ehrlichen Worte würde ich gerne einigen Leuten an die Stirn pinnen....
    Liebe Grüße

    Babsi

  • #4

    Swantje Berndt (Freitag, 13 Februar 2015 11:20)

    Ein wirklich guter Beitrag! Sehr ehrlich und offen geschrieben. Dazu fehlt wahrscheinlich vielen Autoren der Mut. Ich weiß, dass empfundener Neid einem selbst massiv schadet, daher "trainiere" ich ihn mir ab, sollte er mich mal zwacken. Natürlich ist er trotzdem eine menschliche Regung und hat seine Berechtigung. Er nimmt nur zu viel Energie. Wie du selbst sagst, ist die besser in positiven Aktionen aufgehoben. Aber hey, wir sind alle nur Menschen und ab und zu denkte ich auch "Verdammt, jetzt hast du Monate in dieses Buch investiert, findest es selbst richtig, richtig gut, und trotzdem scheint es kaum einem aufzufallen." Ich schnappe mir dann meine Hunde und laufe mit ihnen eine Stunde über die Felder, das hilft gegen Selbstzweifel jeder Art ;-)

  • #5

    Lotti Noctua (Freitag, 13 Februar 2015 12:05)

    Hallöchen,
    dass du Rezi-Exemplare verteilst, wusste ich gar nicht, ist an mir vorbei gegangen - ich für meinen Teil frage ungern nach solchen, da ich mir dann wie ein Bettler vorkäme -
    Abgesehen davon finde ich, du schreibst wundervoll, ich lese deine Bücher sehr gerne und weiß sehr wohl die Plackerei dahinter zu würdigen!
    Traurig finde ich es, wenn AutorInnen persönlich angegriffen werden, sollten einem Stil oder Ausführung eines Buches nicht gefallen - Hallooooo, so etwas gehört weder in eine Rezension, noch in einen Blog! Das Buch sollte kritisch unter die Lupe genommen werden und wenn etwas nicht stimmig ist, kann man das ruhig und konstruktiv mitteilen! Wenn einem der Stil nicht gefällt, dann liest man eben nicht weiter, aber dafür gibt es ja Leseproben, um sich im Vorfeld darüber zu informieren.
    Bitte nicht von so etwas entmutigen lassen -es gibt andere!!!
    GLG
    Lotti Noctua

  • #6

    Savannah Lichtenwald (Freitag, 13 Februar 2015 17:42)

    Ganz lieben Dank für eure Kommentare. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut. Das gibt einen ordentlichen Motivationsschub :)))