Deadlines, Druck und Selbstbestimmung

Mit der persönlichen Freiheit ist das so eine Sache. Bei jedem Menschen sind die Grenzen anders gesteckt, hat jeder ein anderes Verständnis von Pflichtgefühl und Empfindlichkeiten. Viele brauchen einen Rahmen, um sich daran festzuhalten und sich sicher zu fühlen. Ich habe gerne Luft um mich herum. Manchmal fühle ich mich auch verpflichtet, obwohl ich es gar nicht bin.


Im Grunde bin ich ein kleines Faultier und lasse mich und meine Gedanken gerne treiben. Viele Dinge mache ich erst im letzten Moment, wenn ich keine Wahl mehr habe und bin dann ausgesprochen ungehalten ;-) Daraus folgt, dass ich Druck und Vorschriften nicht ausstehen kann, sei es von Menschen, Institutionen oder Situationen. Das hält mich auch von Verlagen fern. Ich mag mir nicht vorschreiben lassen, wann ich was zu schreiben habe, bis wann es fertig sein muss, welches Cover ich zu akzeptieren habe. Bei dem Wort „muss“ mache ich normalerweise ganz schnell dicht. Zum Beispiel kann ich es überhaupt nicht leiden, wenn man von mir erwartet bzw. mir „empfiehlt“, irgendwo zu meckern oder jemanden zu kritisieren. Ich mag keine Gerüchteküche und mische nicht gerne in Grabenkämpfen mit … du musst eine Seite wählen, du musst Stellung beziehen, du musst da ordentlich draufhauen … Mir bleibt immer noch die Wahl, wann und wo ich rumnöle, wie eine liebe Freundin mal sagte.

 

Ich mag es auch nicht, ungefragt Facebook-Gruppen zugefügt zu werden, selbst wenn es für einen guten Zweck ist. Tritt da mal wieder aus, ohne dich fragen lassen zu müssen, ob du die Person oder die Sache nicht leiden kannst oder ob du egoistisch bist etc. etc. Da ich mich gerne für solche Projekte engagiere, kämen solche Fragen unweigerlich. Aber irgendwann ist ein neues Projekt tatsächlich zu viel, egal, wie ehrenwert es ist. Eine PN vorab wäre da schon ganz nett.

 

Ich lege Wert auf meine persönliche Freiheit, die Dinge zu tun, die mir am Herzen liegen oder die ich für nötig erachte und sie dann zu tun, wenn ich mich damit wohlfühle. Da nervt mich schon der Wecker morgens um sechs Uhr, der mich daran erinnert, dass ich nicht so selbstbestimmt leben kann, wie ich gerne würde. Aber diesen Frust teile ich sicher mit vielen, vielen anderen Menschen ;-))


Derzeit geht ein Spiel bei Facebook um, bei dem man die ersten Sätze der ersten drei Kapitel dessen posten soll, woran man gerade schreibt. Seit ich den ersten Status diesbezüglich gesehen habe, dachte ich nur: Hoffentlich nominiert mich keiner. Es wäre eine Ehre, ja, aber ... zur Zeit schreibe ich an nichts, das man posten könnte, schon gar nicht an etwas, das mehr als ein Kapitel hat. Das kommt bei mir als Kurzgeschichten-Freak ohnehin selten vor *lach*. Und wer mich kennt, weiß, dass ich weder ein Viel- noch ein Schnellschreiber bin.


Jedoch … *peng* … ist es passiert: Ich wurde von drei lieben Freunden nominiert! Verdammt, was mache ich denn jetzt? Natürlich könnte ich nun einfach sagen, sorry, ich schreib an nix … das wäre ein bisschen peinlich angesichts all der vielen talentierten, ständig schreibenden AutorInnen in meiner FL und eigentlich müsste ich an so einigem weiterschreiben, was ich mir seit langem vorgenommen habe. Aber selbst wenn das echte Leben mir die Zeit gönnt, lasse ich mich von Social Media leider leicht ablenken. Hier und da kommentieren, ab und an jemandem helfen, da und dort lange Artikel lesen, von einem Blog zum nächsten hüpfen, ist ja alles so interessant, das wusste ich noch gar nicht, was für schöne Bilder.


Und im Hintergrund grummelt das schlechte Gewissen. Am miesesten gelaunt ist es wohl bei „Water Ghost“, einer Fantasygeschichte, die ich vor einem Dreivierteljahr begonnen und nach dem ersten Kapitel unsicher zur Seite gelegt habe. Um mich selbst zu motivieren, hatte ich sogar an meine Leser die Frage gestellt, was ich als nächstes schreiben soll – hat nicht funktioniert *sfz*. Ich fürchte mich ein wenig davor, weil Fantasy für mich etwas Neues ist. Wer weiß, ob ich das überhaupt hinkriege, ohne mich in Grund und Boden zu blamieren. So lang, wie manche vielleicht erwarten, wird das Ding eh nicht. Außerdem gibt es zwei, drei Punkte in der Geschichte, für die ich noch keine Lösung habe und eine oder zwei Stunden oder Tage in Ruhe drüber nachdenken muss. Bevor ich das tue, bleibe ich natürlich eher bei Facebook oder BookRix hängen *gna*.


Zurück zum Anfang: Jetzt bin ich also ernannt und muss etwas liefern und will nicht. Drei Kapitel sind bei mir ca. 6000-9000 Wörter – das schaffe ich eh nicht an einem Tag und genaugenommen habe ich keine Lust zum Schreiben. Irgendwie bin ich da scheinbar anders als andere. Widerwillig öffne ich das Dokument, lese mir alles nochmal durch, werfe einen Blick auf meine wenigen Stichworte …

 

Es funktioniert???

 

Nun stelle ich etwas ganz Erstaunliches fest: Offensichtlich wirkt Druck von außen selbst auf jemanden wie mich manchmal hilfreich. Die Story hat mich wieder gepackt, zu einem der drei Problempunkte fällt mir eine Lösung ein und ich will es tatsächlich schreiben o.O Oft bin ich mir selbst ein Rätsel und diese Sache hat mich (wieder mal) völlig überrascht.


Daher melde ich mich hiermit hochmotiviert für ein paar Tage ab und bedanke mich ganz herzlich bei Bianca Nias, Moritz Berg und Jobst Mahrenholz für den Tritt in den Hintern, den ich offensichtlich gebraucht habe, auch wenn sie nichts davon wussten :D Ich wünsche euch allen eine wundervolle, kreative, selbstbestimmte Woche :)))